Lesen. Ja, richtig gelesen, denn lesen meine lieben Kinder ist etwas ganz fabelhaftes. Man sitzt da, macht sich vielleicht eine Tasse Tee, ja, genau, ich meine nicht das lesen einer Klolektüre, keine Zeitschrift und auch nicht das Wochenangebotsblättchen von dem Supermarkt um die Ecke. Ich meine das konzentrierte lesen eines Buches.
Einband, bei mir zuweilen immer soft, Seiten, meist in ökologischem weiß. Titel kommt drauf an. Autor kommt drauf an. Klappentext kommt drauf an. Bild kommt immer drauf an. Ja, ich lese Bücher wenn das Bild schick ist. Nachdem das Bild gut aussieht gucke ich wer es geschrieben hat und wie es heißt. Im moment lese ich Juliet Naked. Juliet Naked ist gut, sehr gut sogar. Macht Spaß zu lesen. Auf dem Weg zur Arbeit werden gerne die Kopfhörer aufgesetzt der Musikant in die Hand genommen und so getan als hätte man ihn eingeschaltet. Hat man aber nicht. Ätsch. Ich sitze dann da, stelle mir vor wie es grade im Moment dort drüben zwischen den ökologisch weißen Seiten so ist. Zack. Alice im Wunderland. Alles ist echt, ich verliere in dem Augenblick sicherlich den Überblick über Realität und das Buch.
Ich bin grade auf Seite 120, von der ersten Seite an geht es um ein Paar, er, Lehrer ist vollkommen hysterisch wenn es um einen Musiker geht der schon seit über 25 Jahren nicht von sich hören hat lassen und irgendwo schön kuschelig versteckt hat, über den Musiker gibt es vielerlei Gerüchte, Klatsch, Tratsch und man munkelt in der Welt des weltweiten Netzes so einiges über seinen Verbleib. Er, also der Mann und seine Freundin- sie, Museumsangestelle, ist nicht so dermaßen begeistert von dem Musiker, doch öffnet sie einen Brief für den Mann und findet eine neue Platte des Musikers und das nach 25 Jahren Abstinenz hört diese, schreibt eine Kritik und steht heimlich im Kontakt zu dem Musiker- fahren beide in diverse Stätdte um Orte zu besuchen an denen der Musiker einmal gewesen ist. Nick Hornby schreibte dieses Buch. Ich mag Buchbesprechungen nicht. Ich kann sowas nicht. Aber ich kann Buchcover aussuchen. Und ich kann lesen.
Und wenn man so das Thema Musik grade liest fällt mir auf das ich mal neuen allgemeinen Musikalischen Input brauche. Ich stöpsele mich mit einem Cinch Stecker an eine Gitarre, mal gucken was sie mir so spielt. Ich brauche was smoothes, was großartig entspannendes. Etwas wie ein Buch zum hören. Kein Hörbuch. Eine gute musiklische Geschichte. Kein Hörbuch. Musik die aufeinander folgend einen Sinn macht und berührt. Wieso kommt es, das in naher Vergangenheit alle musikalischen Ergüsse auf den LP keinen Sinn mehr ergeben? Boom Boom Peng, Zzzzzz, und dann wieder Boom Boom Peng und Zzzzz. Wieso nicht ein bisschen mehr Spannung? Wie gelesen, stöpsele ich meinen Kopf jetzt an eine Gitarre. Kann ja nur besser werden wie die mittlerweile veröffentlichten Zusammensetzungen von LPs.
Wuuuuzaaaahh.
Ich ärgere mich. Ich liebe Musik. Ich liebe sie. Ich brauche diese Klänge. So dufte duften Noten. Ich ärgere mich weil ich sie zwischenzeitlich verfluche. Zu ehrlich, zu kitschig, zu top Position in den Charts, zu alternativ. Aber Musik ist wie ein Buch, entweder ist sie gut und hat nicht nur ein gutes Cover Bild sondern auch einen fantastischen Inhalt.
Ich gehe jetzt lesen. Kinder geht und kauft euch ein Buch. Ihr werdet es lieben ganz still und heimlich unter der Bettdecke zu lesen, mit Taschenlampe versteht sich. Kauft euch eine Taschenlampe, ein gutes Buch, kocht euch einen duftenden Tee und Kuschelt euch unter eine Decke. Ich esse jetzt Krümelmonster Kekse und lese mein Buch. Juliet Naked.